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Philosophie

 

Philosophieren - was ist das?

Die Frage ist nicht leicht und schon gar nicht mit wenigen Sätzen zu beantworten. Die vorliegende Information will daher versuchen, das, was Philosophieren ist, an einigen ausgewählten Beispielen vorzustellen, die zugleich als Thema für eine Unterrichtssequenz gelten können, und an ihnen die Eigenart philosophischen Denkens zu demonstrieren.

Kurs: Einführung ins Philosophieren - Jeder Mensch ein Philosoph?

Und so merkwürdig es klingen mag: Kleine Kinder stellen oft die gleichen Fragen wie die erwachsenen Philosophen. Zum Beispiel: Was war denn, bevor Gott die ersten Menschen erschaffen hat? Wo ist das Ende der Welt? Wo bleibt unsere Seele, wenn wir gestorben sind? und so weiter.
Ein zweiter großer Anlass für viele Menschen, Fragen zu stellen, ist die Zeit der sog. Pubertät. Welche Fragen und Probleme in diesem Zeitraum auftauchen, müssten die meisten Menschen wohl am besten selbst beurteilen können.
Die dritte und letzte große Möglichkeit, sich über den Sinn und Unsinn des Lebens und der Welt seine Gedanken zu machen, ist für manche der eigene Tod. War das, was ich getan habe, auch alles richtig? War es sinnvoll oder sinnlos? Was passiert wohl nach mir?
Man könnte es auch so ausdrücken: Philosophischen Fragestellungen ist eigentlich, wenn man ehrlich ist, nicht zu entkommen. Man kann sie aber sehr wohl beiseite schieben und auch so leben.
Im Unterricht gilt es, die Besonderheiten der philosophischen Problemstellungen und des philosophischen Denkens zu verdeutlichen und Jugendliche gemeinsam ins Nachdenken zu bringen.

Kurs: Probleme der Bestimmung des Menschen - Anthropologie

Mit dem Menschen beschäftigt sich eine Reihe von Wissenschaftlern. Die Historiker etwa erforschen, wie die Menschen früher gelebt (und sich getötet) haben. Die Soziologen untersuchen, wie Menschen in Gruppen zusammenleben, wie Gruppen sich verändern und die Mitglieder prägen. Die Biologen untersuchen den Organismus und vergleichen den Menschen mit "verwandten" Tierarten. Das alles sind wichtige und meist auch interessante Untersuchungen, und wir sollten möglichst viele ihrer Fragen und Antworten verstehen.
Eine Frage beantworten diese Untersuchungen und auch die übrigen Wissenschaften aber nicht abschließend, und das ist vielleicht die wichtigste Frage: Wer / Was bin ich?
Diese Frage hat eine doppelte Bedeutung. Einmal frage ich danach, was ich als Mensch bin; ich frage also nach der Stellung des Menschen im Kosmos. Ich frage, ob nicht Unerheblichkeit uns bestimmt, wenn wir sagen: Das Tier lebt in seiner Umwelt, aber der Mensch lebt in der Welt. Ich frage also, ob wir zum Beispiel durch unsere Sprache den engen Lebensraum der biologischen Art überschreiten.
Daneben hat die Frage eine weitere Bedeutung. Ich frage nämlich danach, wer denn dieses eine Individuum ist, wer ich im Unterschied zu allen anderen Menschen bin, was meine Aufgabe und meine Bestimmung in der Welt ist.
Wer bin ich? Diese Frage wird nicht im Unterricht beantwortet, sondern im Leben; Begegnungen mit anderen Menschen, Entscheidungen und auch schicksalhafte Fügungen bestimmen die Antwort, die wir geben, mit. Die Philosophie aber soll versuchen, die Frage offen zu halten; wir können uns darin üben, sie zu besprechen und zu bedenken, damit wir imstande sind, die uns vorgeschlagenen oder sich aufdrängenden Antworten zu prüfen.

Kurs: Probleme des menschlichen Handelns - Ethik

Mit ethischen Fragestellungen und Problemen werden wir andauernd im Alltag konfrontiert: "Bin ich in einem Notfall berechtigt zu lügen?", "Kann ich es verantworten, mich bei der Bundeswehr in der Bedienung von Waffen für den möglichen Ernstfall ausbilden zu lassen?" , "Ist es gerechtfertigt, Menschen unter bestimmten Voraussetzungen zu bestrafen, oder verdienen Kriminelle vielleicht - wie Kranke - vielmehr eine Heilbehandlung?", "Ist es jemals richtig, dass der Zweck die Mittel heiligt?"
Zufrieden stellend ist eine Antwort auf solche Fragen nur dann, wenn wir sie als stichhaltig, begründet und gerechtfertigt ansehen können. Die Antworten, die wir in unseren moralischen Alltagsüberlegungen geben, werden diesen Erfordernissen lediglich mehr oder weniger gerecht und können deswegen auch nur bis zu einem bestimmten Grade zufrieden stellen. Oft genug gibt es Meinungsverschiedenheiten, was moralisch richtig und falsch, was menschlich und unmenschlich ist. Dann gilt es, bis zur letztmöglichen Begründung unserer Auffassungen vorzudringen. Das zu tun, ist die Aufgabe der Ethik; sie versucht, die letzten Begründungsprinzipien des moralisch Richtigen und Guten zu ermitteln.
Ethische Probleme spielen auch im Bereich der modernen Wissenschaften eine Rolle, etwa bei der Entscheidung, ob "Menschen nach Maß" gezüchtet oder ob Personen durch Gehirneingriffe verändert werden dürfen. Ethische Probleme treten darüber hinaus auch im Bereich politischer Entscheidungen auf, ob und wann z. B. ein Recht auf /gewaltsamen) Widerstand in einer Gesellschaft besteht.
Einem möglichen Missverstehen dieser Gegenstände der Ethik muss jedoch sogleich entgegengesetzt werden: Philosophische Ethik stellt kein "Rezeptbuch" für moralisch richtiges Handeln dar. Sie kann allgemeine Lösungsmöglichkeiten anbieten, deren Berechtigung selbst wieder kritisch bedacht und überprüft werden muss. Wie bei jedem Philosophieren ist die Anzahl der neu entstandenen offenen Fragen nach der Besprechung eines Problems mindestens ebenso groß wie die Zahl der erhaltenen Antworten.

Im Zentrum des gemeinsamen Philosophierens stehen die inhaltlichen Schwerpunkte: "Freiheit und Determination" und "Freiheit und Verantwortung". Dabei werden unter anderem folgende Autoren mit zentralen und relevanten Auszügen aus ihren Werken gelesen:

Kurs: Probleme von Politik, Recht, Staat und Gesellschaft

Ob es uns angenehm ist oder nicht, ständig nehmen wir an politischen Entscheidungen teil oder werden von ihnen betroffen. Daraus leitet sich die Notwendigkeit ab, über politisches Handeln nachzudenken.
Nehmen wir den Bau von Atomkraftwerken: Angesichts der Ölkrise beschloss die Bundesregierung ein Energieprogramm, das unter anderem den Bau von 36 Atomreaktoren bis Mitte der achtziger Jahre vorsah. Sei November 1976 protestierten in zunehmendem Maße Bürger dagegen. 1977 wurde die Zahl der Atomkraftwerke, die gebaut werden sollten, um acht verringert.
Aus diesem Beispiel können wir einige Merkmale politischen Handelns ableiten.
Politisches Handeln tritt uns entgegen als eine Entscheidung (Energieprogramm), die auf eine bestimmte historische Situation (Ölkrise) bezogen ist. An diese Entscheidung können wir in einer Demokratie einige Forderungen stellen: Sie muss es sich gefallen lassen, dass wir nach ihrer Rechtfertigung fragen, uns eventuell anders entscheiden und gegen sie vorgehen (Protest der Bürgerinitiativen).
Aus dem Beispiel und den daran geknüpften Überlegungen erhalten wir bereits eine Fülle möglicher Fragen für die politische Philosophie:
Sind der Anspruch und das Vorgehen der Bürgerinitiativen berechtigt? Welche Möglichkeit hat der einzelne Bürger zur politischen Willensäußerung? Welche Möglichkeit zur Kontrolle gibt es gegen Machtmissbrauch? Welche Rolle spielen Fernsehen, Rundfunk und Presse dabei? Welche Möglichkeiten der Entfaltung bietet unsere Gesellschaft? Von welchen politischen Zielvorstellungen gehen die verschiedenen Personen und Gruppen aus, und wie können diese Zielvorstellungen gewonnen und verändert werden?
Schließlich können wir fragen, welche Kenntnisse und Fähigkeiten wir brauchen, um unseren politischen Willen in die Tat umsetzen zu können.
Grundlegend ist auch die Frage: Warum brauchen wir eigentlich einen Staat? Bei der Antwort auf diese Frage setzen wir uns mit grundlegenden Elementen unserer Gesellschaftsform und den Regeln des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft auseinander.
Allen diesen Fragestellungen der Philosophie aber ist gemeinsam, dass sie nichts als wahr und richtig hinnehmen wollen, was man auch nur irgendwie bezweifeln kann. Und: dass sie alle Wörter und Begriffe, mit denen sie ihre Probleme, Fragen und Antworten stellen und darstellen, genau erklären.

Im Zentrum des gemeinsamen Philosophierens steht der inhaltlichen Schwerpunkte: "Recht und Gerechtigkeit". Dabei werden unter anderem folgende Autoren mit zentralen und relevanten Auszügen aus ihren Werken gelesen:

Kurs: Probleme des Denkens, Erkennens und der Wissenschaft - Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie

Das erste Beispiel bezieht sich auf das Problem der Wahrheit, in philosophischer Fachsprache als "Erkenntnistheorie" bezeichnet. "Ist das auch wahr?" fragen wir, wenn jemand eine unwahrscheinliche klingende Geschichte erzählt, oder wir beteuern: "Doch, das ist wahr, ich habe es schließlich selbst gesehen", wenn jemand unsere Erzählungen bezweifelt.
Der Garant für die Wahrheit ist also, dass das, was behauptet wird, jemand gesehen hat und ein anderer sich - wenn er will - durch eigenen Augenschein davon überzeugen kann. Wahrheit ist, was man sehen kann - wo soll da noch ein Problem sein? Aus dem Streben nach Erkenntnis erwächst den Philosophen zunächst die Aufgabe, zu prüfen, ob die Organe unserer Erkenntnis - nämlich die fünf Sinne und unser Verstand - uns überhaupt eine richtige Vorstellung von dem vermitteln können, was in uns, außerhalb von uns und in der Welt um uns herum vorgeht.
Unter dem Namen Erkenntnistheorie möchte die Philosophie wissen, was die Quellen, der Umfang und wo die Grenzen der menschlichen Erkenntnis sind.

Unsere Welt ist entscheidend von wissenschaftlichem Denken und wissenschaftlicher Technik bestimmt. Daraus ergeben sich Fragen, als erste die: Wie kommt "die Wissenschaft" überhaupt zu ihren Erkenntnissen?
Nehmen wir zum Beispiel einen archäologischen Fund, einen Stein neben einem Knochen, Der Archäologe bemüht sich um den Nachweis, dass Stein und Knochen einmal als Waffe und Beute zusammengehört haben. Ihm schwebt dabei als Vorstellung ein "Modell" vor Augen, das er teilweise aus alten berichten, teilweise aus der Beobachtung von Steppenvölkern konstruiert: die Jagd mit der Steinschleuder. Kann der Wissenschaftler beweisen, nachweisen oder die Vermutung erhärten, dass seine Deutung den Fund richtig erklärt?
Daneben gibt es eine andere Art wissenschaftlicher Erklärung, die sich mit regelmäßig ablaufenden Naturvorgängen befasst. Nehmen wir zum Beispiel einen Stein: Er fällt zu Boden, wenn man ihn loslässt, und je länger er fällt, desto schneller wird er. Nun kann man messen, wie lange ein Fall aus 1 m, aus 2 m, aus 4 m usw. Höhe dauert; dann kann man mit etwas mathematischem Geschick einen Zusammenhang zwischen Fallhöhe und -dauer, zwischen Falldauer und -geschwindigkeit herstellen; und dann hat man ein "Naturgesetz" formuliert. Dieses Gesetz gilt eigentlich nur für den freien Fall im luftleeren Raum, aber auch den Luftwiderstand und seine Gesetzmäßigkeiten kann man beobachten und messen. Und dann kann man Planetenbewegungen berechnen und Sonnenfinsternisse vorhersagen, und man kann sogar Raketen zur Sonne schießen.
Die vielfältigen Erfolge der Naturwissenschaften haben den eigenartigen Glauben hervorgebracht, dass erstens "die Wissenschaft" stets die reine Wahrheit in immer größeren Mengen liefere, und dass zweitens, dieser Fortschritt technisch genutzt, der ganzen Menschheit zum Segen gereiche. Dabei wird allerdings vergessen, dass Wissenschaft von Menschen gemacht wird, dass die Einsicht von heute oft genug der Irrtum von morgen ist, dass mit dem Segen der Wissenschaft neue Gefahren verbunden sind, und dass vor allem in Verbindung mit handwerklichem Können und Kapital "die Technik" von der Wissenschaft hervorgebracht worden ist: Sie ist ein Machtfaktor ersten Ranges, dabei stets "von sich aus" darauf aus, zu wachsen und mehr zu produzieren.
Angesichts der wissenschaftlich-technischen Entwicklung der letzten Jahrhunderte drängen sich eine Reihe von Fragen auf: Auf welchen Wegen kommt "die Wissenschaft" zu ihren Erkenntnissen? Welchen Preis zahlen die Naturwissenschaften für ihre Exaktheit? Was erfassen wir eigentlich, wenn wir ein Naturgesetz formulieren? Wir können wir feststellen, ob wir mit unseren Erkenntnissen auch "die Wirklichkeit" begriffen haben? Wie kommt "die Wissenschaft" zu ihrem hohen Ansehen? Warum werden normalerweise ihre Irrtümer, ihre Fehlentwicklungen und ihr Leerlauf nicht zur Kenntnis genommen? Wie können wir die Eigendynamik wissenschaftlicher Technik und Forschung lenken, damit sich die Mittel menschlicher Lebensbewältigung nicht unbemerkt in ihre Ziele verwandeln?

Im Zentrum des gemeinsamen Philosophierens stehen die inhaltlichen Schwerpunkte: "Zweifel als Grundlage der Erkenntnis", "Wissenschaft und Weltbild" und "Wissenschaftliche Verfahrensweisen". Dabei werden unter anderem folgende Autoren mit zentralen und relevanten Auszügen aus ihren Werken gelesen:

Dr. Brigitte Wiesen, September 2006

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